[Zurück]...[Startseite]...[Übersicht]...[Weiter]

1680: Ein Hexenprozeß

Knapp 80 Jahre, nachdem Hans Olsen, dessen Frau Hakallestranda möglicherweise seinen Namen verdankt, sein Pfarramt angetreten hatte, war die Woge des Hexenwahns auch über Norwegen hereingebrochen. Harald Molvik berichtet nach alten Chroniken von einem jener Prozesse<1>:

Im 15. und 16. Jahrhundert zogen die Hexenprozesse ihre Spur durch Westeuropa. Der Glaube, daß einige Menschen über gute oder böse magische Kräfte verfügen, ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst. In den ersten christlichen Zeiten stellte sich die Kirche abweisend und stempelte solchen Glauben als heidnische Überbleibsel ab. Doch im Spätmittelalter trat eine Wende ein. Da wurde der Dämonenglaube in das wissenschaftliche und kirchliche System eingefügt, gleichzeitig wurde jeder Gebrauch der Zauberkunst kriminalisiert und verfiel der gnadenlosen gerichtlichen Verfolgung kirchlicher und weltlicher Mächte. Die reformatorische Befreiungswoge schaffte es nicht, dieses katholische Gedankengut abzuschütteln, wie einiges andere auch. Es sieht eher so aus, als erhielte die Hexenhysterie verstärkende Kraft durch den Lutherismus. In Nordeuropa waren die Hexenverfolgungen im großen und ganzen ein rein nachreformatorisches Phänomen.

Aus den erhaltenen Quellen haben wir Kenntnis von ungefähr 870 Verfahren wegen Zauberei in Norwegen, und von diesen fanden rund 30 in Sunnmøre statt. Diejenige Person, um die sich in unserer Gegend die meisten Geschichten gesponnen haben und die sich in der Sagentradition am längsten lebendig gehalten hat, ist Ingebrigt Størkerson aus Raudeberg in Nordfjord oder Tater-Ingebrigt<2>, wie er eher im Volksmund genannt wurde. Der Grund hierfür war wohl, daß er ein weitgereister Kerl war, der über Jahre hinweg in der Gegend herumzog und sich unter Drohungen Lebensmittel beschaffte, wo er sie bekommen konnte. In einer armen Zeit wie dem 16. Jahrhundert war es zu erwarten, daß die Menschen ihn als Plage und Schrecken betrachteten, wenn er auftauchte und gerne mit Bösem drohte, wenn er nicht das bekam, was er wollte. Auch hat man den Eindruck, daß Ingebrigt von aufbrausender Natur war, der seine Worte wenig im Zaum hielt - und das war besonders gefährlich in einer Zeit, in der Laien und Gelehrte an die Zauberei als reale Macht glaubten.

Ingebrigt Størkerson stand im Jahre 1680 zusammen mit einer Frau aus Syvde, Marit Løset, vor Gericht, die ebenfalls der Zauberei beschuldigt wurde. Das Protokoll finden wir in Sunnmøre tingbok für 1680. Es ist hier in eine leicht erzählende Form mit verschiedenen charakteristischen Zitaten umgeschrieben und genau nach dem Tingbuch wiedergegeben:

"Den 2 Aprilis 1680 war af Kong Majz fougidt Peder Lauritson Kierulf beramit it møde och ting paa Lechanger i Rødue skibrede<3> anlangende nogen troldoms sager til forhør..."<4>, so heißt es im Tingbuch.
Es war Bauernlensmann Hans Årøy in Vanylven skipreide, der das Gericht auf schriftliche Anweisung des Vogtes zusammengerufen hatte. Dieses wurde zunächst auf den 9. März anberaumt, doch waren die Mitglieder "formedelt undt veirlig hindret at møde".
<5>
Das zweite Mal wurde das Gericht auf den 27. März anberaumt und die Angeklagten geladen, aber auch an diesem Tage herrschten Sturm und schlechtes Wetter aus Süd und Südwest, so daß das Gericht erst am 2. April zusammentreten konnte.
Zusammen mit Hans Årøy berief der Lensmann in Rovde skipreide, Jakob Simonson, das Gericht ein. Außer diesen und dem Vogt Peder Kierulf war auch "den hæderlig och uellærde"
<6> Herr Hans Anderson Hellekande anwesend, Pfarrer für Herøy. Darüber hinaus erschienen folgende Geschworene aus Vanylven skipreide: Knut Olson Vik, Gudlik Slagnes, Ola Åram, Mikkel Bergsnev, Rasmus Hatlenes und Ola Kalsnes. Aus Rovde skipreide traten zusammen: David Pålson Skår, Peder Vik, Pål (auf) Vedeld, Peder Volnes, Ola Eikrem und Laurits Takset.

Der erste, der vorgeführt wurde, war ein Mann mit Namen Ingebrigt Størkerson, der auch den Beinamen Lefsebjørn trug. Er war mittlerweile ein alter Mann geworden, doch hatte er über lange Zeit in dem Ruf gestanden, über Zauberkenntnisse zu verfügen. Er hatte bereits vorher in Vanylven und Rovde skipreider vor Gericht gestanden, weil er über viele Jahre "farit om kring i bøgden och tigit hans brød"<7> hatte. Er habe die Angewohnheit gehabt, die Leute um das eine oder andere zu bitten und, wenn er nicht das bekam, was er wollte, habe sich im Nachhinein das eine oder andere Unglück ereignet, heißt es im Tingbuch.
Er hatte eine Zeit in Arrest gesessen und wurde nun vor den Richtertisch geführt. Der Vogt fragte ihn, wann er geboren sei. Darauf antwortete er, er sei in der Vogtei Nordfjord auf dem Hof "Rødbiør" (Raudeberg) geboren, sei aber nun seit ungefähr 60 Jahren in Sunnmøre. Einige Zeit sei er mit einigen Zigeunern zusammengewesen, und von diesen habe er "nogen buevesser"
<8> gelernt, erzählte er.

Im Tingbuch heißt es weiter, er habe verschiedene Taten gegenüber dem Pfarrer von Herøy und Herrn Aksel Olson, "residerende Capelan til Wandæflen och Søfde kirker"<9> verübt, und zwar im Beisein vieler anderer guter Menschen, darunter Gudlik Slagnes und Rasmus Hatlenes.

Er hatte eingestanden, sich in die Gewalt des Teufels begeben zu haben, den er einmal auf der Straße "som en liden smaa dreng"<10> getroffen hatte. Da habe er sich den Diensten des Bösen verschrieben, der ihn dreimal rückwärts um die Kirche in Bremanger geführt habe. Der Teufel habe ihm "guld och grøne shoufer"<11> versprochen, aber dafür habe Ingebrigt Christentum und Taufe abschwören und sich in seine Macht und Gewalt begeben müssen. Dies habe er mit den Worten 'Zweifel sei Jesus' getan.

Wie so viele andere Zauberer hatte auch Ingebrigt am Hexensabbat teilgenommen, und zwar auf "fieldet daare", womit das Dovrefjell gemeint sein muß. Dort hatte er als Trommler gedient, doch an Stelle der Trommelstöcke habe er "thuende Kalfue romper"<12> benutzt, während er als Trommelfell habe nehmen können, was er wollte - so erzählte er.<13>
Zu den Hohen Feiertagen, Weihnachten, Ostern und Pfingsten, sei er auf "daare field"
<14> gewesen und habe die Trommel bearbeitet. Dafür hätten ihm die anderen große Schätze gegeben, bis zum vorigen Jahr, wo er verarmt sei, weil er so alt geworden sei, daß er nicht mehr länger habe in das Gebirge hinaufkommen können.

Nun wurde er gefragt, warum er bei jeder Gelegenheit am Abendmahl teilgenommen habe, obgleich er Taufe und christlichem Glauben abgeschworen habe. Dies konnte er damit erklären, daß er die Hostien zwar in den Mund genommen, aber anstatt sie zu schlucken, später ausgespuckt und dann dazu benutzt habe, sich in die Wohnhäuser der Leute einzuschleichen, um sie zu schädigen und zu töten. So hätte er es mit dem Vieh von Jetmund Bakke in Myklebust an Syvdsfjorden gemacht. Dort hätte er auf diese Weise einmal zwei Rindern und drei Schafen das Leben genommen, erzählte er.

Es sei so gewesen, daß er eines Tages zu Jetmund gekommen sei und um ein Nachtquartier gebeten habe. Gleichzeitig habe er Ola, den Sohn des Hauses, gefragt, ob er ihm nicht die Schuhe flicken könne. Doch der Junge habe dies abgelehnt und Ingebrigt und seine Schuhe zur Hölle gewünscht. Daraufhin sei dieser böse geworden und habe den Jungen mit einem Fluch belegt, so daß er am dritten Tage "war i møgen pine saa folkene maate holde honom med magt"<15>, berichtet das Tingbuch. Da Ola sich jedoch wieder erholte, habe Ingebrigt das Böse, mit dem er den Jungen belegt hatte, genommen und stattdessen über das Haus gebracht, so daß die erwähnten zwei Kühe und drei Schafe eingegangen seien.

Er konnte auch berichten, daß er Jon Pederson Riste umgebracht hatte. Jon hatte seit längerer Zeit große Schmerzen von etwas gehabt, das "udj hans tøndeste lif"<16> kam. Der ehrwürdige Herr Hans Hellekende konnte bezeugen, daß er mit eigenen Händen dasjenige gefühlt hatte, mit dem Jon herumlief und von dem er gepeinigt wurde. Es fühlte sich wie ein Nagel an, an beiden Enden zugespitzt, und daran starb Jon Riste schließlich unter großen Schmerzen.
Ingebrigt sagte aus, er habe sich an Jon Riste rächen wollen, weil er ihm das verweigert habe, worum er gebeten habe. Im übrigen sei es ein Unterteufel gewesen, Tollok, der Jon den Schaden zugefügt habe. Ingebrigt habe ihm Fischabfälle gegeben, damit er dieses tat.

Einmal sei er in das Haus von Amund Strand gekommen, erzählte er. Da habe er Amunds Frau gefragt, ob sie ihm nicht "lidet smør til Suuell"<17> geben könnte. Als sie ihm nur eine abschlägige Antwort gegeben habe, sei er zornig geworden. Er habe sich daraufhin an Amund und dessen Frau dadurch gerächt, daß er Tollok eine ihrer Kühe einen Abhang habe hinunterstoßen lassen, so daß diese zu Tode gestürzt sei.

Einer derjenigen, die ihrerseits von Ingebrigt der Zauberei beschuldigt wurden, war Ola Lauritson Kinna. Nach Ingebrigts Aussage sollte Ola dem Bösen seit langer Zeit gedient haben und auch auf "daare field"<18> dabeigewesen sein. Nun trat Ola vor das Gericht und stritt alles ab. Ingebrigt hielt an demjenigen fest, das er über Ola "bekient"<19> hatte, konnte seine Vorwürfe jedoch nicht beweisen, wie es im Tingbok heißt.

Britta Nilsdotter vom Hof Skare wurde als nächste aufgerufen. Ingebrigt hatte auch sie beschuldigt, eine Zauberin zu sein. Doch sie "sligt haardelig benegtit"<20> und forderte Ingebrigt auf, seine Anschuldigungen zu beweisen. Daraufhin antwortete er, er wisse nichts anderes über sie, als daß sie eine spitze Zunge habe und, wenn sie jemand verflucht habe, über denjenigen großes Unheil gekommen sei.

Synneve Askjelsdotter, der Frau von Ivar Helland, war auch von Ingebrigt nachgesagt worden, sie könne mit Kenntnissen der Zauberei umgehen. Zusammen mit ihrem Mann kam sie nun vor den Richtertisch, und Ingebrigt wurde gefragt, welche Anklagen er gegen sie vorzubringen habe. Er antwortete, daß alles, was er über sie gesagt habe, Lügen gewesen seien.

Ein Mann aus Nøresande, Torbjørn Askjelson, und seine Frau, Birgitta Johannesdotter, traten auch vor und sollten auf dasjenige antworten, was Ingebrigt gegen sie vorgebracht hatte. Er sollte gesagt haben, daß sie genauso beschlagen in der Zauberkunst seien wie er. Aber als er nun gefragt wurde, wessen er sie anklagen wolle, antwortete er, er wisse nichts Schlechtes über sie zu sagen, mit Ausnahme dessen, daß Torbjørn ihn verflucht und er dasselbe mit Torbjørn gemacht habe. Torbjørn habe darüber hinaus gesagt, daß er, wenn er auf den Hof des Vogts käme, seinen Namen nicht erwähnen sollte, aber was das zu bedeuten habe, wisse er nicht.

Ebenso hatte er Ola Bringsvor, dessen Frau Synneve, ihre Tochter Britta und ihren Sohn Ingval beschuldigt, zauberkundig zu sein. Diese Kunst hätten sie von Store-Nils Eli gelernt. Nun aber widerrief er das alles und sagte, er habe sich gesagt, daß es so sein müsse, weil viele derartige Leute im Hause von Ola und Synneve verkehrten - und am allermeisten dieser Store-Nils, von dem gesagt werde, er sei ein Zauberer. Sonst wisse er nicht, was sie könnten; das wüßten sie wohl selbst am besten.
...
<21>

Und so ging es noch einige Zeit weiter. Alle, die von Ingebrigt der Zauberei beschuldigt worden waren, traten einer nach dem anderen vor das Gericht, und in allen Fällen widerrief Ingebrigt Størkerson seine Anschuldigungen. Schließlich

behauptete auch Randi Andersdotter Myklebost, sie sei von Ingebrigt der Zauberei beschuldigt worden. Doch Ingebrigt sagte nun aus, er habe solche Beschuldigungen ihr gegenüber nicht ausgesprochen und er könne über sie nichts Schlechtes sagen. Auch gegen Anders Brekke und Jetmund Kilebrekke habe er nichts vorzubringen "... och beder der forre om forladelse."<22>
Damit war die Vernehmung von Ingebrigt Størkerson abgeschlossen. Sowohl er als auch Marit Løset, die nach ihm verhört wurde, gaben ihre Schuld zu, und nun trat der Vogt vor das Gericht und beantragte das Urteil über die beiden.

Im Protokoll heißt es dazu unter anderem:<23>

"... och straffis effter dieris egen Bekiendelse paa dieris lif som Andre troldfolch till Ild och brand...".<24>
Der Vogt beantragte also den Tod auf dem Scheiterhaufen für die beiden. Und das Tingbuch berichtet weiter, daß auch die anwesenden Kirchenvertreter aus Vanylven und Rove (skipreider) mit dem Vogt einig waren und das gleiche beantragten, damit diese Zauberer ihr Urteil erhalten konnten, "at sligt en gang Maatte Udrødis af Menigheden..."
<25>, nachdem diese seit langer Zeit in beiden skipreiden dafür berüchtigt gewesen waren, mit "diefuelens Koster"<26> umgehen zu können.
...
<27>

Dieses Urteil wurde durch das Berufungsgericht bestätigt, und

ihr Nachlaß sowie ihr gesamtes Eigentum wurden der Staatskasse zugesprochen, nachdem "ald Retmæssig och Uitterlig gield der af er betaldt."<28>

Ingebrigt wurde zusammen mit Marit Løset im Laufe des Jahres 1680 verbrannt, und der Überlieferung zufolge geschah dies auf Rovdeskjeret, wenngleich die Richtstätte in keiner Quelle genannt wird.
In seiner Rechnung an den Amtmann, abgesandt vom Vogtshof auf Molvær und datiert vom 28. Dezember 1680, hat der Vogt, Peder Lauritson Kierulf, die Auslagen aufgeführt, die ihm dadurch entstanden waren, daß er "trende troldfolch justificere och opbrende"
<29> hatte lassen.

Zwei von ihnen hat er nicht einmal mit Namen erwähnt, aber das müssen Anne Løset, die im Jahre 1679 hingerichtet worden war, und Anne Løset gewesen sein. Für den dritten, "ued Nafn Lesbebiørn kaldit"<30>, benutzt er nur den Spitznamen von Ingebrigt, und er hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, ihn richtig zu schreiben. Diejenigen, die außerhalb der guten Gesellschaft gelandet waren, waren wahrscheinlich in jenen Tagen nicht viel wert. Sie wurden nicht einmal der Überlieferung ihrer eigenen Namen für würdig befunden.

Die Rechnung berichtet weiter, daß Ingebrigt ganze 21 Wochen in Arrest saß. Dies soll der Überlieferung nach auf Tunem gewesen sein. Hier hat er auch seinen Beinamen Lefsebjørn<31> erhalten, weil ihm die Frauen lefser brachten, die er besonders mochte. Anne und Marit Løset saßen 15 bzw. 18 Wochen ein, und der Vogt führt Auslagen in Höhe von 27 RD<32> für die Verpflegung der drei an. Außerdem hatte der Vogt 20 RD dafür ausgelegt, um seinen Diener zweimal zum Berufungsgericht nach Bergen zu schicken, um die Urteile bestätigen zu lassen. Bier und Wein für die Verurteilten auf dem Richtplatz sowie Entschädigung für Henker und Pfarrer beliefen sich auf 14 RD. In Abzug wurde der Wert zweier Kühe gebracht, die Marit Løset gehört haben mußten. Ihr Wert wurde mit 3 RD und 3 ort<33> veranschlagt, so daß sich die gesamten Auslagen des Vogtes für Ingebrigt und die beiden anderen auf 57 RD und 1 ort beliefen<34>.

Die reiche Sagentradition, die sich um Ingebrigt spinnt, zeigt, wie stark diese tragischen Ereignisse in Leben und Gedanken der Menschen eingegriffen haben müssen. Es ist noch nicht so lange her, daß ein Teil der Sagen im Volksmund lebendig waren und von älteren Leuten erzählt wurden.

Ob Ingebrigt Familie oder einen Ort hatte, an den er von seinen Streifzügen zurückkehren konnte, geht aus den Quellen nicht hervor. Nach der Überlieferung soll er sich eine Zeit auf Voraholmen auf Sandsøya aufgehalten haben. Das erscheint nicht unwahrscheinlich. Voraholmen liegt etwas abseits, niemand hatte wohl sonderlich Lust, einen Zauberer als nächsten Nachbarn zu haben.

Es wird auch gesagt, er habe eine Zeit auf Rot auf Rovde gewohnt. Vor nicht so langer Zeit lebten noch Leute, die meinten, dort die Reste der Grundmauern seiner Hütte nachweisen zu können. Die meisten der Sagen um Ingebrigt sind mit Sandsøy und Rovde verknüpft. Einige von ihnen werden auch beiden Orten zugeschrieben.

Aber gut dreihundert Jahre sind seit diesen Ereignissen vergangen, und was die Wahrheit ist, darüber wissen wir wenig. Was wir sicher wissen, ist, daß Tater-Ingebrigt zusammen mit Marit Løset zu "bål og brand"<35> verurteilt wurde und einen bösen Tod erlitt. Wir können uns heutzutage kaum vorstellen, welches Leiden und welche menschliche Erniedrigung ein solches Schicksal in dieser armen und brutalen Epoche unserer westeuropäischen Geschichte mit sich brachte.


<1> TROLLDOMSSAKA MOT TATER-INGEBRIGT I 1680, Segn og Soge Nr. 8 (1984), 17 ff. [Zurück]
<2> tater = Zigeuner. [Zurück]
<3> skiprede, skipreide: damalige Verwaltungseinheit. [Zurück]
<4> "Am 2. April 1680 wurde von dem Vogt seiner Königlichen Majestät Peder Lauritson Kierulf eine Gerichtsversammlung nach Lechanger in Rødue skibrede einberufen, betreffend das Verhör in einigen Verfahren wegen Zauberei...". [Zurück]
<5> etwa "aus triftigen Gründen daran gehindert". Im Originaltext fehlt zwischen den Ausdrücken 'formedelt' und 'undt veirlig' ein Wort. [Zurück]
<6> "ehrbare und wohlgelehrte". [Zurück]
<7> "in der Gegend umhergezogen und sein Brot erbettelt". [Zurück]
<8> "einige Tricks". [Zurück]
<9> "dem amtierenden Kaplan der Kirchen Vanylven und Syvde". [Zurück]
<10> etwa "in der Gestalt eines klitzekleinen Knechtes". [Zurück]
<11> "Gold und grüne Wälder" - etwa: "das Blaue vom Himmel herunter". [Zurück]
<12> "zwei Kalbskeulen". [Zurück]
<13> Fußnote des Autors: Im Jahre 1662 stand Kristine Skrøppa aus Jølster vor Gericht und erzählte, sie hätte an einer Johannistagfeier des Bösen auf Hornelen teilgenommen. Da hätten sie nach einer Kupfertrommel getanzt, und auch hier benutzte der Trommler Kalbskeulen. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß Ingebrigt von diesem seltsamen Schlagzeug auf Hornelen gehört hatte und nun, bewußt oder unbewußt, ebenfalls dazu griff, um seine eifrigen Befrager zufriedenzustellen. [Zurück]
<14> gleichbedeutend mit "fieldet daare". [Zurück]
<15> "Magenschmerzen hatte, so daß die Leute ihn mit Gewalt festhalten mußten". [Zurück]
<16> "aus seinem innersten Körper". [Zurück]
<17> "etwas Butter auf (vermutlich) Svele". [Zurück]
<18> siehe Fn 14. [Zurück]
<19> "bezeugt". [Zurück]
<20> "bestritt dieses hartnäckig". [Zurück]
<21> Kürzung und Überleitungstext durch mich. [Zurück]
<22> "und bat dafür um Verzeihung." [Zurück]
<23> Kürzung und Überleitungstext durch mich. [Zurück]
<24> "... und sollen nach ihrem eigenen Geständnis wie anderes Zaubervolk am Leben durch das Feuer gestraft werden..."; Kürzung durch mich. [Zurück]
<25> "weil so etwas endlich aus der Gesellschaft ausgerottet werden muß...". [Zurück]
<26> "Künsten des Teufels". [Zurück]
<27> Kürzung und Überleitungstext durch mich. [Zurück]
<28> "alle Gerichtskosten und sonstigen Auslagen davon bezahlt worden sind". [Zurück]
<29> "drei Zauberer verurteilen und verbrennen". [Zurück]
<30> "mit Namen Lesbebiørn genannt". [Zurück]
<31> lefse = eine Art Pfannkuchen, bjørn = Bär. [Zurück]
<32> riksdaler. [Zurück]
<33> Kleinere Münzeinheit. [Zurück]
<34> Diese Rechnung geht nur dann auf, wenn man berücksichtigt, daß 1 ort 24 skilling à 3 1/2 øre oder 1/5 RD entspricht. [Zurück]
<35> "zu Scheiterhaufen und Verbrennen". [Zurück]


Erstellt: 29. August 2000 - Letzte Änderung: 18. November 2000